Eingliederung im Fokus

Anfang 2022 trat die Weiterentwicklung IV in Kraft. Sie führt den eingeschlagenen Weg der vorherigen IV-Revisionen konsequent weiter. Eingliederung vor Rente heisst das Ziel. Die Weiterentwicklung fokussiert dabei auf Jugendliche, junge Erwachsene und psychisch Erkrankte.

In den Räumlichkeiten von BildungsNetz Zug empfängt Sandro Imfeld an diesem Morgen Géraldine Rossi vom Schulpsychologischen Dienst Zug und Ramon Kunz von der IV-Stelle Zug zu einem gemeinsamen Gespräch. Im Rahmen des Projekts zur Früherfassung von Jugendlichen («FE CM BB»), das von der IV ins Leben gerufen wurde und eine Ausweitung des bereits bestehenden CM BB darstellt, arbeiten die drei regelmässig zusammen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Jugendliche beim Übergang von der Schule ins Berufsleben zu unterstützen und zu begleiten – frühzeitig. Warum ist das nötig und wie erkennt man Jugendliche, für die der Weg in die Lehre eine besondere Herausforderung darstellen könnte?

FE CM BB Team low

Ramon Kunz (IV-Stelle Zug), Géraldine Rossi (SPD) und Sandro Imhof (CM BB) im Gespräch.

Kein einfacher Start

Das wichtigste Ziel der Weiterentwicklung IV ist die erfolgreiche Eingliederung in den Arbeitsmarkt von Jugendlichen, jungen Erwachsenen und psychisch Erkrankten. Dazu wurden die Früherfassung und Eingliederungsmassnahmen ausgeweitet, die Betreuung ausgebaut und ausserdem die Koordination mit allen am Prozess beteiligten Partnern verbessert. Was heisst das konkret?

Mehr zum Projekt: Früherfassung von Jugendlichen

Seit dem 1. Januar 2022 ist die «Weiterentwicklung der IV» in Kraft: eine Vorlage von Bundesrat und Parlament, die der Invalidisierung vorbeugen und die Eingliederung verstärken soll. Im Zentrum stehen dabei Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Diese «Weiterentwicklung der IV» bildet den Grundstein für das Projekt «FE CM BB» (Früherfassung Jugendliche Case Management Berufsbildung) der IV-Stelle Zug. Das Hauptziel ist es, gefährdete Jugendliche noch früher – bereits während der obligatorischen Schulzeit – zu erfassen und zu unterstützen. Für die FE CM BB spannt die IV mit zwei Partnern zusammen: dem CM BB vom BildungsNetz Zug und dem Schulpsychologischen Dienst des Kantons Zug.

Alles an einem Ort: Bezug neuer Räumlichkeiten

Ihre Lehre begann sie 2019 voller Motivation. Doch eine Essstörung sowie ihre hohen Erwartungen an sich selbst machten ihr zunehmend zu schaffen. «Ich war sehr perfektionistisch veranlagt. Ich war immer gut in der Schule, aber für mich war es nie gut genug. Das hat mich enorm unter Druck gesetzt», erklärt Mariem Almohana. Es folgten lange Ausfälle und mehrere Klinikaufenthalte. «Irgendwann hatte ich einfach keine Energie mehr», fügt sie hinzu. Schliesslich kamen auch noch familiäre Konflikte dazu.

Im Lehrbetrieb sei sie irgendwann nur noch als «die mit den Problemen» wahrgenommen worden. «Das war belastend und es war mir unangenehm», fasst Mariem Alomohana zusammen. Zudem verpasste sie viel Unterrichtsstoff. Sie entschied sich für einen sechsmonatigen Klinikaufenthalt. Dieser hatte aber auch zur Folge, dass ihr Lehrverhältnis beendet wurde.

Ein anschliessendes Praktikum in einem neuen Betrieb verlief enttäuschend. «Es fehlte an Verständnis, ich habe mich nicht wohl gefühlt», sagt sie rückblickend. Bald ging es ihr gesundheitlich wieder schlechter. Ihr wurde bewusst, dass sie die anstehenden Abschlussprüfungen – mittlerweile war sie bereits im dritten Lehrjahr – unter den gegebenen Umständen nicht meistern würde. Gemeinsam mit ihrem Coach Sandro Imfeld – der von der IV beauftragt und finanziert wurde – entschied sie sich, die Lehre abzubrechen und sich erneut in Therapie zu begeben.

Der Aufenthalt in der Frauenklinik und der Umzug in ein betreutes Wohnen markierten einen Wendepunkt. Der räumliche und emotionale Abstand half, neue Kraft zu schöpfen.